Subject: Über Täter und Opfer, Vergeben und Vergessen
Schönen guten Morgen, liebe BrotlerInnen !
Es wird wieder einmal Zeit, dass ich meinem Unmut Luft machen muss und wieder einmal etwas anprangern möchte, was mir schon seit längerer Zeit auf der Zunge brennt.
Am 9.11.1938 begann die sogenannte "Reichskristallnacht".
Ich denke, dass sich ein Großteil des hier mitlesenden Publikums mit diesem Ereigniss und diesem Kapitel schon annähernd weit beschäftigt hat, um mit diesem Begriff etwas anzufangen. Nichtsdesto trotz möchte ich gerne noch einmal aufführen, was in dieser besagten Nacht und im Vorfeld dazu geschah, um einen möglichst weiten Einlauf zu bekommen.
Am 7. November 1938 erschoss der 17-Jährige Herschel Grynspan in Paris den deutschen Diplmomaten "von Rath". Laut geschichtlicher Berichte und damaligerAussagen soll diese Tat vor allem aus dem Grund der vermehrten Verhaftungen von jüdischen Personen polnischer Abstammung in Deutschland motiviert worden sein.
Es war ein einfacher, noch dazu verzweifelter, Mord an einem Diplomaten, welcher jedoch zu diesem Zeitpunkt für das faschistische Regime in Deutschland wie gerufen kam.
Dies deutete das Attent von Grynspan als ein "Attentat des Weltjudentums“. Diese Cance sollte genutzt werden, um im gesamten deutscheln Volk die antisemitische Stimmung zu schüren.
Bereits in den Abendstunden des 7. November wurden laut damaliger Aussage von Beteiligten erste Planungen für die so genannte "Reichtskristallnacht" gemacht.
Sämtliche NS-Verbände erhielten Anweisungen, wie die Ausschreitungen auszusehen hätten.
So sollten im ganzen Land „spontane“ antijüdische Versammlungen, Kundgebungen und Aufmärsche organisiert werden, aus denen heraus SA−Männer in Zivilkleidung jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen angreifen sollten.
Gerade zwei Tage später, am 9. November 1938, begannen im ganzen Reich die mehrtägigen Pogrome. Innerhalb von vier Tagen wurden fast 8.000 jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, mindestens 267 Synagogen wurden niedergebrannt oder gesprengt.
Zeitgleich wurden über 25.000 JüdInnen verhaftet, von denen mindestens 3.000 in Konzentrationslager deportiert und dort später getötet wurden. Mindestens 91 Menschen jüdischen Glaubens wurden in diesen Tagen ermordet.
So viel dazu, nun ein Umschwung in die heutige Zeit.
„Sie“ − damit meint er die so genannten „Vertriebenen“
Doch was sind diese so genannten Vertriebenen?
Mit Vertriebenen sind „Volksdeutsche“ gemeint, die nach Ende der Hitlerdiktatur, aus den ehemals „ostdeutschen Gebieten“ flohen oder, per Potsdamer Abkommen von 1945, umgesiedelt wurden. Dass sie flohen, oder umgesiedelt werden mussten versteht sich von selbst, waren sie doch diejenigen, die während des Eroberungsfeldzuges der faschistischen Wehrmacht deutsche Landser jubelnd begrüßten, um im zweiten Schritt ihre nichtdeutschen Nachbarn zu enteignen, zu vertreiben oder auch zu ermorden.
Als Sprachrohr zur heutigen Gesellschaft dient für die "Vertriebenen" der „Bund der Vertriebenen“ (BdV) unter dem Vorsitz von Erika Steinbach (CDU).
Dieser Bund gliedert sich in 21 "Landsmannschaften", die sich nach ihrer Herkunft benennen. Bundesvorsitzender der „Landsmannschaft Schlesien“ ist Rudi Pawelka (seit 1971 CDU, vorher NPD) aus Leverkusen Rheindorf. Pawelka, der der Meinung ist, dass Deutschland das Opfer der größten Vertreibung der Weltgeschichte sei, kritisierte in einem Interview mit der Naziwochenzeitung „Junge Freiheit“, die Haltung, „die streng darauf achtet, dass deutsche Opfer nicht auf eine Stufe mit NS−Opfern gestellt werden, weil dann eine Relativierung des von deutschen begangenen Unrechts gesehen wird.“ Letztlich sei das „Pflege von Schuldgefühlen auf dem Rücken deutscher Opfer“.
Nachdem letztes Jahr, 60 Jahre nach Kriegsende, vor allem die Opfer von Bombardierungen deutscher Städte im Vordergrund von bürgerlichen bis neonazistischen Gedenkveranstaltungen standen, schafft es dieses Jahr besonders der „Bund der Vertriebenen“ sich zentral im Licht der Öffentlichkeit zu positionieren.
Werden Veranstaltungen der Vertriebenen am vom BdV ausgerufenen „Tag der Heimat“ (Anfang September) seit Jahren schon mit prominenten PolitikerInnen aller Couleur dekoriert, ordnet die Bundesregierung dieses Jahr sogar die Beflaggung aller öffentlichen Gebäude an und hilft so weiter mit, diesen Tag als „festes Datum“ im Kalender zu etablieren.
Auch wurde den „Vertriebenen“, neben der BdV−eigenen Ausstellung „Erzwungene Wege“, eine Wanderausstellung unter dem Titel „Flucht, Vertreibung, Integration“ durch das Deutsche Historische Museum (Berlin) gewidmet. Ziel hinter dieser Ausstellung, wie das Thematisieren dieser Problematik in der medialen Öffentlichkeit überhaupt, ist das Etablieren der Deutschen als Opfer des 2. Weltkrieges und somit eine Relativierung von Nazi−Kriegsverbrechen und der Schuld Deutschlands am NS−Terror in Europa. Mögen die Ereignisse der so genannten „Vertriebenen“ auch schlimm gewesen sein, was ich wirklich nicht bezweifle, passen sie jedoch nicht in das Raster der Zeitgeschichte von Eroberungskrieg, Vertreibung durch die deutsche Wehrmacht, Verschleppung und Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen, das Morden in deutschen Konzentrationslagern, der Verfolgung politisch Andersdenkender und vieler weiterer Bevölkerungsgruppen und der versuchten Ausrottung von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma.
Das war es vorerst von mir, ich danke allen, die bis hier gelesen haben.
Wie gesagt, es war einzig und allein mein Unmut über diese Situtation. Ob hier eine Diskussion darüber entsteht oder nicht, sei euch überlassen.
mfg
kris
Es wird wieder einmal Zeit, dass ich meinem Unmut Luft machen muss und wieder einmal etwas anprangern möchte, was mir schon seit längerer Zeit auf der Zunge brennt.
Am 9.11.1938 begann die sogenannte "Reichskristallnacht".
Ich denke, dass sich ein Großteil des hier mitlesenden Publikums mit diesem Ereigniss und diesem Kapitel schon annähernd weit beschäftigt hat, um mit diesem Begriff etwas anzufangen. Nichtsdesto trotz möchte ich gerne noch einmal aufführen, was in dieser besagten Nacht und im Vorfeld dazu geschah, um einen möglichst weiten Einlauf zu bekommen.
Am 7. November 1938 erschoss der 17-Jährige Herschel Grynspan in Paris den deutschen Diplmomaten "von Rath". Laut geschichtlicher Berichte und damaligerAussagen soll diese Tat vor allem aus dem Grund der vermehrten Verhaftungen von jüdischen Personen polnischer Abstammung in Deutschland motiviert worden sein.
Es war ein einfacher, noch dazu verzweifelter, Mord an einem Diplomaten, welcher jedoch zu diesem Zeitpunkt für das faschistische Regime in Deutschland wie gerufen kam.
Dies deutete das Attent von Grynspan als ein "Attentat des Weltjudentums“. Diese Cance sollte genutzt werden, um im gesamten deutscheln Volk die antisemitische Stimmung zu schüren.
Bereits in den Abendstunden des 7. November wurden laut damaliger Aussage von Beteiligten erste Planungen für die so genannte "Reichtskristallnacht" gemacht.
Sämtliche NS-Verbände erhielten Anweisungen, wie die Ausschreitungen auszusehen hätten.
So sollten im ganzen Land „spontane“ antijüdische Versammlungen, Kundgebungen und Aufmärsche organisiert werden, aus denen heraus SA−Männer in Zivilkleidung jüdische Wohnungen, Geschäfte und Synagogen angreifen sollten.
Gerade zwei Tage später, am 9. November 1938, begannen im ganzen Reich die mehrtägigen Pogrome. Innerhalb von vier Tagen wurden fast 8.000 jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, mindestens 267 Synagogen wurden niedergebrannt oder gesprengt.
Zeitgleich wurden über 25.000 JüdInnen verhaftet, von denen mindestens 3.000 in Konzentrationslager deportiert und dort später getötet wurden. Mindestens 91 Menschen jüdischen Glaubens wurden in diesen Tagen ermordet.
So viel dazu, nun ein Umschwung in die heutige Zeit.
schmalzte Bundespräsident Horst Köhler am diesjährigen „Tag der Heimat“ am 2. September in Berlin.„Sie erfroren auf den Rückzugsstraßen, ertranken in der eisigen Ostsee oder gingen an Hunger und Seuchen zugrunde. Abertausende Deutsche wurden ermordet, ungezählte Frauen vergewaltigt“
„Sie“ − damit meint er die so genannten „Vertriebenen“
Doch was sind diese so genannten Vertriebenen?
Mit Vertriebenen sind „Volksdeutsche“ gemeint, die nach Ende der Hitlerdiktatur, aus den ehemals „ostdeutschen Gebieten“ flohen oder, per Potsdamer Abkommen von 1945, umgesiedelt wurden. Dass sie flohen, oder umgesiedelt werden mussten versteht sich von selbst, waren sie doch diejenigen, die während des Eroberungsfeldzuges der faschistischen Wehrmacht deutsche Landser jubelnd begrüßten, um im zweiten Schritt ihre nichtdeutschen Nachbarn zu enteignen, zu vertreiben oder auch zu ermorden.
Als Sprachrohr zur heutigen Gesellschaft dient für die "Vertriebenen" der „Bund der Vertriebenen“ (BdV) unter dem Vorsitz von Erika Steinbach (CDU).
Dieser Bund gliedert sich in 21 "Landsmannschaften", die sich nach ihrer Herkunft benennen. Bundesvorsitzender der „Landsmannschaft Schlesien“ ist Rudi Pawelka (seit 1971 CDU, vorher NPD) aus Leverkusen Rheindorf. Pawelka, der der Meinung ist, dass Deutschland das Opfer der größten Vertreibung der Weltgeschichte sei, kritisierte in einem Interview mit der Naziwochenzeitung „Junge Freiheit“, die Haltung, „die streng darauf achtet, dass deutsche Opfer nicht auf eine Stufe mit NS−Opfern gestellt werden, weil dann eine Relativierung des von deutschen begangenen Unrechts gesehen wird.“ Letztlich sei das „Pflege von Schuldgefühlen auf dem Rücken deutscher Opfer“.
Nachdem letztes Jahr, 60 Jahre nach Kriegsende, vor allem die Opfer von Bombardierungen deutscher Städte im Vordergrund von bürgerlichen bis neonazistischen Gedenkveranstaltungen standen, schafft es dieses Jahr besonders der „Bund der Vertriebenen“ sich zentral im Licht der Öffentlichkeit zu positionieren.
Werden Veranstaltungen der Vertriebenen am vom BdV ausgerufenen „Tag der Heimat“ (Anfang September) seit Jahren schon mit prominenten PolitikerInnen aller Couleur dekoriert, ordnet die Bundesregierung dieses Jahr sogar die Beflaggung aller öffentlichen Gebäude an und hilft so weiter mit, diesen Tag als „festes Datum“ im Kalender zu etablieren.
Auch wurde den „Vertriebenen“, neben der BdV−eigenen Ausstellung „Erzwungene Wege“, eine Wanderausstellung unter dem Titel „Flucht, Vertreibung, Integration“ durch das Deutsche Historische Museum (Berlin) gewidmet. Ziel hinter dieser Ausstellung, wie das Thematisieren dieser Problematik in der medialen Öffentlichkeit überhaupt, ist das Etablieren der Deutschen als Opfer des 2. Weltkrieges und somit eine Relativierung von Nazi−Kriegsverbrechen und der Schuld Deutschlands am NS−Terror in Europa. Mögen die Ereignisse der so genannten „Vertriebenen“ auch schlimm gewesen sein, was ich wirklich nicht bezweifle, passen sie jedoch nicht in das Raster der Zeitgeschichte von Eroberungskrieg, Vertreibung durch die deutsche Wehrmacht, Verschleppung und Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen, das Morden in deutschen Konzentrationslagern, der Verfolgung politisch Andersdenkender und vieler weiterer Bevölkerungsgruppen und der versuchten Ausrottung von Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma.
Das war es vorerst von mir, ich danke allen, die bis hier gelesen haben.
Wie gesagt, es war einzig und allein mein Unmut über diese Situtation. Ob hier eine Diskussion darüber entsteht oder nicht, sei euch überlassen.
mfg
kris
Nationalität ist kein Qualitätsmerkmal.
"Ich habe einmal irgendwo gesagt, die machen alles falsch, die Autonomen, aber sie geben Hoffnung. Ich meine das in dem Sinne, daß wahrscheinlich die Perspektive falsch ist, aber wenn schon in dieser Gesellschaft ein Element des Bruchs vorhanden ist, dann ist das diese Autonomiebewegung. Ihr macht alles falsch, aber das ist sozusagen ein Funke Hoffnung."
- J.Agnoli -
"Ich habe einmal irgendwo gesagt, die machen alles falsch, die Autonomen, aber sie geben Hoffnung. Ich meine das in dem Sinne, daß wahrscheinlich die Perspektive falsch ist, aber wenn schon in dieser Gesellschaft ein Element des Bruchs vorhanden ist, dann ist das diese Autonomiebewegung. Ihr macht alles falsch, aber das ist sozusagen ein Funke Hoffnung."
- J.Agnoli -

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