Subject: ...für den Kampf eines Volkes gegen Willkür und Korruption.
Mir sind beim Lesen am Ende die Tränen in die Augen geschossen:
Quelle mit Bildern.
Chongqing ist die größte Stadt der Welt. Sie hat über 31 Millionen Einwohner. Vor 20 Jahren glich Chongqing eher noch einer Kleinstadt. Doch mit dem Wirtschaftsboom wurde die Metropole in die Höhe gezogen. Die kleinen Einfamilienhäuser werden systematisch abgerissen. Millionen Menschen wurden und werden zwangsumgesiedelt. Investoren streiten sich um die noch wenigen bebaubaren Plätze. Inmitten der Megacity Chongqing passiert zur Zeit ein echter Schildbürgerstreich. Ein Mann und seine Frau wehren gegen den Abriss ihres Hauses. Die beiden werden in China gefeiert wie Freiheitskämpfer.
Inmitten der Hochhäuserschluchten Chongqings, gleich gegenüber vom Bahnhof, erregt eine Baustelle die Aufmerksamkeit von ganz China. Die Bauarbeiten hier kommen nicht voran. Wie ein Finger ragt ein einsames Haus mitten in die bereits ausgehobene Baugrube.
Die Ladenbesitzer Yang Wu und seine Frau Wu Ping wehren sich standhaft gegen den Abriss. "Ich kann nur kämpfen mit allen Mitteln, die ich habe. Sogar mit meinem Leben", schimpft Wu Ping. Die Regierung kümmere es keinen Deut, ob man lebe oder tot sei, oder ob Rechte verletzt würden. Sie ließen die Investoren machen was sie wollten. Dabei sei die Regierung doch allmächtig. Wu Ping hält einen Brief von den Investoren hoch und erklärt: "Wir haben uns über eine Entschädigung unterhalten. Aber die haben nie unterschrieben und auch keinen Stempel drunter gesetzt. Dieser Brief ist wertlos." Ein anderes Grundstück müsste in derselben Gegend liegen, ansonsten blieben sie und ihr Mann in ihrem Haus, zeigt sich Wu Ping unnachgiebig.
Straßenkampf und Pressekonferenzen
Wu Ping weiß genau, dass ihr Grundstück mitten in Chongqing Gold wert ist. Ein öffentliches Interesse an dem Stück Land liegt nicht vor. Laut einem gerade neu erlassenen Gesetz, das Privateigentum schützt, darf man Wu Ping und ihren Mann nicht mehr einfach vertreiben. Sie müssen angemessen entschädigt werden. Nun wurden dem Ehepaar der Strom und das Wasser abgestellt. Alles Schikane, weiß Wu Ping. Während ihr Mann Yang Wu - ein Kung-Fu-Kämpfer- im Haus die Stellung hält, führt seine energische Frau einen wahren Straßenkampf. Sie gibt Pressekonferenzen, geht zu Gerichten und das chinesische Volk steht dabei hinter ihr. "Der Besitzer dort kämpft für alle Abrissopfer. Als sie unser Haus zerstörten, konnten wir nichts mehr machen", erinnert sich ein Passant. "Dieser Hausbesitzer ist ein Held. Er kämpft für uns", fügt ein Mann hinzu, der das Spektakel an der Baustelle mitverfolgt. "Wenn er verliert, heißt das wir verlieren in der Zukunft. Wenn er gewinnt, gewinnen wir in der Zukunft auch. Lasst ihn uns unterstützen", ruft ein Chinese des Schaulustigen an der Baustelle zu.
Elegant mit Biss
"Yangwu ist ein Held" rufen die Menschen am Rande der Baustelle. Der einsame Protest des Kung-Fu-Kämpfers hat einen Orkan in China ausgelöst. Die Zeitungen, das Fernsehen und das Radio berichten. Internetseiten feiern Yang Wu als neues Symbol der Freiheit, in den Chatrooms wird diskutiert. Yang Wus Frau hat auf einer Webseite ein Videoblog eingerichtet mit Liveschaltungen zur Baustelle. Sie will das Volk auf dem Laufenden halten. An der Nase rumführen, lässt sie sich ohnehin nicht.
Frau Wu ist elegant gekleidet, die Haare sind hoch toupiert, sie trägt Stöckelschuhe. Doch von der äußeren Erscheinung sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Frau hat Biss. Als sie nach Hause wollte, war der Baustellenzaun verriegelt. Der Zugang zu ihrem Laden in dem ihr Mann sich verschanzt hat, war somit versperrt. "Mach die Tür auf oder ich breche sie auf. Los Freunde lasst sie uns aufbrechen", ruft Frau Wu angriffslustig. Sofort eilen alle herbei und rütteln an dem Tor. Das Schloss bricht, der Baustelleneingang ist offen. Der Wachposten bekommt eine schallende Ohrfeige. Dann marschiert Frau Wu über Schutt und Mörtel hinweg zu ihrem Haus, das über Nacht zum Symbol Chinas geworden ist, zum Symbol für den Kampf eines Volkes gegen Willkür und Korruption.
Quelle mit Bildern.

Eo
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