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Reply · Quote Spouk #1
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Subject: Blogstories die wir lesen und lieben...
Jo, Jede/R kennt das, man liest einen wundervollen Blogeintrag von irgendeiner person die diesen irgendwo ins web 2.0 geknallt hat und findet ihn so gut, dass möglichst viele andere Personen sich ebenfalls daran erfreuen sollen. Dies ist der richtige Thread für gute/lustige/unterhaltsame/abgefuckte/whatever blogstories die euch einfach flashen!
Klar kannst Du Dich mal melden, halt nur nicht bei mir.
Und wer kann denn jetzt was wofür?
Zusammen eine Generation, denn was bleibt uns übrig.
Ich weiss, dass ihr wisst, dass ich es weiss.
Keine Ahnung, ob das beweist, dass es irgendwann besser wird.
Arroganz als beste Waffe.(But Alive)
Reply · Quote Spouk #2
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fange gleich mal an:

Antifa ist der Kampf im Tanze

Bevor sich diese ganze Web 2.0-Sache so richtig durchsetzte und Menschen wie mich dazu brachte, ihr Leben von der Straßen und Plätzen deutscher Städte in die Weiten des Internets zu verlegen, Ketaminkonsum noch Ausnahmehobby und die Welt insgesamt viel verbesserungswürdiger war, verlebte ich meine im Verhältnis zu Lohnarbeitszwang und nötiger Reproduktionszeit noch ausgiebig vorhandene Freizeit oftmals mit Ausflügen, denen man, weil das Ziel immer mit irgendwelchen gewalttätigen Dummköpfen zu tun hatte, gerne das Label „antifaschistisch“ gab.

So wurde eines Abends - wie so oft damals in der guten alten Zeit fuhr man zur Umgehung polizeilicher Vorfeldmaßnahmen bereits einen Tag früher - die Tasche mit Hasskappe, Handschuhen und Haselnussschnitten gepackt, die Bezugsgruppe betreffende Absprachen getroffen und die Autobahn in Richtung Darfmanjanichtsagen genommen. Untergekommen bei einer jungen Frau, die heute ihr täglich Rosinenbrötchen mit Erkenntnis bringenden und die Völkerverständigung vorantreibenden Reportagen über die Ureinwohner Transsylvanniens verdient, damals aber noch eine verdammt wilde Sau mit Filmriss-Look und Street-Art-Attitude war, glitt schon der Vorabend der geplanten Schlacht aus dem Ruder und gegen 5 Uhr in der Frühe schien allen Beteiligten klar, dass die Einhaltung der demoaktivistischen Regel, auf Aktionen ja keinen Alkohol und schon gar keine Drogen zu konsumieren, uneinhaltbar war. Für eine Handvoll Pillen hatten wir die Sicherheit der Teilnehmer_Innen verkauft.

So begann der Morgen statt mit korrekt gekauften Sojamilchkaffees und Bioladen-Croissants mit kleingehackten und inhalierten E´s – eine nahrungsersetzende Maßnahme, die sich durch den Tag ziehen sollte. Die folgenden 15 Stunden verliefen unspektakulär: Vorkontrollen, Prüfung der Fahnenstangendicke, Begrüßung durch den Lautsprecherwagen, handfeste Auseinandersetzungen zwischen den Demonstrationsteilnehmern, handfeste Auseinandersetzungen auch mit der Polizei, dazwischen Grußbotschaften. Resultat: vom Wasserwerfer durchnässte Menschen, ein paar zertrampelte Vorgärten und zwei kaputte Mülltonnen. Als ich aus meinem Adrenalin-MDMA-Rausch aufschreckte, zogen schon frustrierte Horden von dannen und der Straßenverkehr lief wieder reibungslos. Die große Schlacht war ausgeblieben, die Leere blieb.

Die Aggression gegen Staatsgewalt und Reaktion war verpufft wie ein kleines Popperswölkchen, nur ein letztes aufrechtes Häuflein mit Schilder bewaffneter Trotzkisten hielt heldenhaft eine Ecke Bürgersteig besetzt, bis auch sie endgültig zum Aufgeben gezwungen wurden. Ich schämte mich für alles und agitierte nicht ganz hintergedankenfrei, dem Rotlichtviertel der Stadt einen Besuch abzustatten. Von Eckkneipe zu Eckkneipe zerrte ich meine willigen Begleitungen und so hatten wir schon ordentlich einen sitzen, als wir auf eine Gruppe ebenfalls hauptstädtischer Extremisten trafen, die mit einem leichten Kopfschütteln und hochgezogenen Augenbrauen auf unseren Zustand reagierten.
Nicht einmal eine Stunde später sollten sie dafür sehr dankbar sein.

Es dauerte nur wenige hin und her gecheckte Sätze und uns bedrückte die Kenntnis von einer sich in einem Keller-Etablissement vergnügenden Neonazi-Kameradschaft. Rund um die Kneipe lungerten schwarz gekleidete und grimmig daherblickende Gestalten, sich erschreckt vom zweifelhaften Ruf der Gegend nicht in die Ausschankstätte trauend. Kein Problem, dachte ich mir, wenn wir nicht zu den Nazis können, müssen die Nazis eben zu uns kommen. Ganz schön frech, scheint mir heute.

Ich raffte also die mir angeborene Grazie zusammen und betrat nur leicht schwankend den unterirdisch gelegenen Schankraum. Keine Neonazikameradschaft befand sich darin, vielmehr war der von Tresen, festgeschraubten Mobiliar und Jukebox eindrucksvoll jeglichem Feng-Shui-Schnickschnack entfremdete Raum gefüllt mit jener Menschenmischung, die man auch ohne langjährige Milieuerfahrung schon am Geruch als alkoholkranke Modernisierungsverlierer, White Trash eben, erkennen konnte. Um nicht weiter aufzufallen bestellte ich mir schnell ein seltsam trübes Bier, nahm einen gierigen Schluck und blickte mit den glasigen Augen des sich dem Märtyrertum Verpflichteten in die Runde. Rechts von mir sank einer etwa 80jährigen gerade wieder der graue Dutt auf die unbehandelte Holztischplatte, ihr mit Korn gefülltes Senfglas hatte sie in einem Zug geleert. Links stritt sich eine Rotte Vokuhilaträger um die Vermarktungsrechte einer vermutlich osteuropäischen jungen Frau, im Kern schienen sie sich einig.

Neben der Jukebox, ein wenig versteckt, entdeckte ich dann endlich die angekündigte Neonazikameradschaft, ein trauriges Häuflein von Vorstadtskinheads, denen die popkulturelle Zurichtung nicht einmal die ohnehin zweifelhafte Gnade einer Hiphop-Sozialisation gestattet hatte. Ketzerische sozialarbeiterische Gedanken belasteten mich, ich löste diesen inneren Konflikt mit einem weiteren Bier und bestellte einen Korn dazu, die Duttträgerin erwachte und orderte mit einem zahnlosen Grunzen ein weiteres Senfglas. Ich nahm auch eins.

Die drei Skinheads waren nicht allein gekommen, zwei Frauen, über deren Vermarktungsrechte sich kaum jemand streiten würde, begleiteten sie. Beide demonstrierten allein durch ihre gewaltigen Becken den Willen, mit all ihrer Fruchtbarkeit dem von verantwortungslosen Demographen herbei geschriebenen Aussterben des deutschen Volkes Widerstand entgegensetzen zu wollen. Fürs erste setzte sich nur die weniger Voluminöse der beiden auf einen der Barhocker neben mich. Ihre fettigen und der unsauberen Blondierung entwachsenen Haarsträhnen streiften mein Gesicht und ich fühlte voller Pein, wie sich die Atmosphäre langsam erotisch auflud. Ihre rot unterlaufenen und mit blauem Lidschatten unvorteilhaft vergrößerten Augen musterten mich lüstern, ein provozierender Blick rutschte langsam den schmierigen Tresen entlang zum Alphamännchen der Jungnaziclique und schon wuchtete sie ihre in stonegewashte Jeans gepresste Hüften vom Barhocker, um sich umständlich an der Music-Box zu schaffen zu machen. Noch während ich versuchte, mein durch mittlerweile knapp 20stündigen Rauschmittelkonsum beeinträchtigtes Erinnerungsvermögen auf den aus den Boxen scheppernden Song auszurichten, ergriff mich eine keine Widerrede duldende Hand und zog mich auf die bis zu diesem Zeitpunkt ungenutzte Tanzfläche. Eine Hand griff die meine und ich fühlte das nur mühsam von synthetischen Fasern im Zaum gehaltene Fettgewebe langsam in den Rhythmus einsteigen. Eine englischsprachige Coverversion des Matthias Reim´schen Klassikers „Verdammt ich lieb´ dich“ sollte unser Tanz sein und ich fügte mich – dunkel den eigentlichen Auftrag erinnernd – in mein Schicksal, streichelte Hüften und Schenkel und vertraute darauf, dass ich mich trotz der ungewohnten Situation nicht würde übergeben müssen.

Über die Schulter meiner Tanzpartnerin zwinkerte ich dem mehr und mehr grimmig das Geschehen betrachtenden und sich vermutlich schon als zukünftiger Gatte wähnenden Naziproll zu, seine Augen wurden Schlitze, meine Hände feucht. Das Lied verklang und Stille breitete sich aus. Testosteron lag in der Luft und ich war froh, als mein in frühester Jugend bei Schulhofschlägereien abgeschautes und Battlebereitschaft signalisierendes Nicken Richtung Ausgang eine sofortige Reaktion zeigte. Offensichtlich hatte mein amouröser Paartanz nicht nur den Chef der drei Dorfskins erregt, auch das aus zwei weiteren desaströs gekleideten Heil-Hitler-Horsten bestehende und die angekündigte Kameradschaft bildende Gefolge schloss sich sofort an. Ich bedankte mich mit einem Verwunderung auslösenden Knicks bei meiner Tanzpartnerin, ihren traurig, verwundert und voller Zuneigung dreinschauenden Augen wich ich feige aus.

Als ich die letzte Stufentreppe des Ausgangs nahm hörte ich hinter mir ein Schnaufen, wie ein wilder Stier stürzte der gehörnte Vorort-Bollo die Treppe hinauf. Als ihn die erste Faust und nur wenig später der erste Teleskopschlagstockschlag traf und einer seiner Freunde platzwundengeschmückt die Kneipentreppe hinunterfiel, erkannte er den offensichtlichsten seiner Fehler, für eine Umkehr allerdings war es zu spät. Wimmernd blieben drei Stolzdeutsche zurück.
30 Minuten Aufopferung hatten sich in 30 Sekunden kollektiver Raserei aufgelöst.

Ich hatte mal wieder die Demokratie gerettet.

von: crisco-connection.com
Klar kannst Du Dich mal melden, halt nur nicht bei mir.
Und wer kann denn jetzt was wofür?
Zusammen eine Generation, denn was bleibt uns übrig.
Ich weiss, dass ihr wisst, dass ich es weiss.
Keine Ahnung, ob das beweist, dass es irgendwann besser wird.
Arroganz als beste Waffe.(But Alive)
Reply · Quote Kris (Administrator) #3
User title: Seelischer Amokläufer
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Liege ich falsch, oder schreibt "Germanophob" bei der Crisco-Connection?

Achja, ....docümentá de Bodé
Nationalität ist kein Qualitätsmerkmal.


"Ich habe einmal irgendwo gesagt, die machen alles falsch, die Autonomen, aber sie geben Hoffnung. Ich meine das in dem Sinne, daß wahrscheinlich die Perspektive falsch ist, aber wenn schon in dieser Gesellschaft ein Element des Bruchs vorhanden ist, dann ist das diese Autonomiebewegung. Ihr macht alles falsch, aber das ist sozusagen ein Funke Hoffnung."
-  J.Agnoli -
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